Amerika

2008 lieferte die deutsche Wirtschaft Waren im Wert von rund 71,5 Milliarden Euro in die USA. Nach Frankreich sind die USA damit der zweitwichtigste Zielmarkt für deutsche Produkte. Die gesamten Exporte in Richtung Amerika beliefen sich 2008 auf knapp 102 Milliarden Euro

Aus Berliner Sicht verhalten sich die Exporte etwas anders: die USA waren, wie im Vorjahr, auch im Jahr 2008 der wichtigste Abnehmer für die heimischen Produkte. Exporte für 1,1 Milliarden Euro gingen in die USA, Frankreich belegte mit einem Volumen von 867 Millionen Euro Platz 2.

Die USA und Kanada sind mit rechtlich stabilen Rahmenbedingungen traditionell für die deutsche Exportwirtschaft als Märkte und auch als Investitionsstandorte interessant. Dies drückt sich insbesondere auch durch die Summe der deutschen Direktinvestitionen aus, die sich für Kanada und die USA im Jahr 2006 auf zusammen über 172 Milliarden Euro beliefen (Kanada 8 Milliarden Euro, USA 164 Milliarden Euro). Für Zentral- und Südamerika lagen diese Werte für 2006 mit jeweils 11 Milliarden Euro bei zusammen 22 Milliarden Euro.

Lateinamerika hat sich in zurückliegenden Jahren als Markt grundlegend gewandelt. Die instabile, häufig von Krisen geschüttelte und nicht selten durch militärisch erzwungene politische Machtwechsel gekennzeichnete Region mit astronomischen Inflationsraten und einem insgesamt hohen Risikopotenzial hat sich nach einem seit mehreren Jahren festzustellenden Aufschwung bei moderater Inflation heute zu einem interessanten Markt entwickelt. Bei allen regionalen Unterschieden spielen Rohstoffe immer noch eine bedeutende Rolle als Exportgüter. Die wirtschaftlichen Erfolge der zurückliegenden Jahre lassen sich im Wesentlichen auf die guten Absatzmöglichkeiten in den rohstoffhungrigen Märkten Asiens zurückführen. Immer wichtiger für den Weltmarkt werden aber auch international durchaus konkurrenzfähige Industrieprodukte.

Lateinamerika ist gekennzeichnet durch zahlreiche Staatenbünde, die zum Teil ähnliche, auf wirtschaftliche Integration ausgerichtete Ziele verfolgen. In Südamerika etabliert sind die Andengemeinschaft und der MERCOSUR. UNASUR, die Union Südamerikanischer Staaten hat erst im Mai 2008 Gestalt angenommen. Die Chancen dafür, dass unter diesem Dach alle südamerikanischen Staaten gemeinsame Integrationsziele verfolgen, stehen nicht schlecht, auch wenn bereits in der Gründungsphase die ersten Divergenzen zu Tage getreten sind.

Eine aktuelle Einschätzung der Region bietet ein Grundsatzpapier, das die Lateinamerika Initiative der Deutschen Wirtschaft (LAI) unter dem Titel „Boomregion Lateinamerika. Potenziale, Risiken und Trends für die deutsche Wirtschaft“ anlässlich der Lateinamerika-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Mai 2008 verfasst hat.